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25. März 2022

Pflegen als Angehörige

Privatsache wird zum Erwerbsmodell mit gesellschaftlichem Auftrag 

Seit über 5 Jahren schaut Lea Sutter (Name geändert) zu ihrem Ehemann, der, als er noch berufstätig war, erste Symptome einer Demenz in Kombination mit einer psychischen Erkrankung entwickelte. Das nachlassende Gedächtnis und der instabile psychische Zustand erforderten von Lea immer öfter ein Begleiten und Anleiten ihres Gatten bei alltäglichen Tätigkeiten und mit der Zeit auch nachts. 

Lea tauschte damit ihre Rolle als Mutter der gemeinsam aufgezogenen Kinder, die nun selbständig geworden sind, mit ihrer Rolle als pflegende Angehörige ein. Der Wiedereinstieg in ihren Beruf als Pflegefachfrau musste Lea abbrechen. Zu intensiv und unstet waren die Anforderungen der Rund-um-Betreuung Ihres Mannes, sogar auch, als er über längere Zeit in der Klinik war.  

Wieder zu Hause, schien es dem Paar unumgänglich, dass sie Spitex-Hilfe brauchten. Dass für Lea die Möglichkeit bestand, sich bei der gleichen Spitex als pflegende Angehörige für ihre Arbeit bei ihrem Mann anstellen lassen kann, war ein willkommener Beitrag an ihr Einkommen und ihre private Vorsorge und ideell eine Art Wertschätzung und Sicherheit. 

Was Lea an Pflege- und Betreuungseinsatz leistet, ist für die Gesundheitsversorgung in der Schweiz von enormer Bedeutung. Insbesondere in der Altersversorgung ist das personelle und finanzielle Engagement der pflegenden Angehörigen nicht mehr wegzudenken. Dabei gefährden unsere gesellschaftlichen Veränderungen die familialen Ressourcen: Familien werden kleiner, die geografische Mobilität steigt, die Scheidungsrate auch, und die zunehmende Erwerbsbeteiligung von Frauen macht, dass Frauen weniger zu Hause sind. Im Gegensatz verlängert sich die Phase der Pflegebedürftigkeit von alten Menschen durch die Fortschritte der Medizin und aufgrund der demografischen Entwicklung. Zudem besteht ein zunehmender Mangel an Gesundheitsfachkräften. Neue Ansätze, um diesem Dilemma entgegenzuwirken sind gefragt. 

Im Kanton Graubünden besitzt man seit 25 Jahren die gesetzliche Möglichkeit und Erfahrung Privatpersonen durch eine Anstellung bei einer Spitex-Organisation eine berufliche Perspektive im Pflegesektor zu geben. Für viele andere Kantone war der Bundesgerichtsentscheid im 2006 im Thurgauischen wegweisend, demnach rechtlich die Anstellung von pflegenden Angehörigen den häuslichen Pflegediensten offensteht, wenn das Spitex-Unternehmen eine zugelassene Leistungserbringerin ist, die Überwachung durch diplomiertes Pflegepersonal sichergestellt ist und die Kriterien nach Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit der Leistungen nach Art. 32 KVG gewährleistet sind. 

In diesem Kontext realisiert die private Spitex Qualis Vita schweizweit Anstellungen von pflegenden Angehörigen. Mindestanforderung ist, dass diese über das Zertifikat Pflegehelfende SRK verfügen. Die Anstellungsbedingungen betreffend Anstellungsgrad, Mitarbeiterbeurteilung, Regelung der Arbeitszeit, Ruhezeit, Überstunden/Überzeit, Nacht/Wochenende und Feiertagsarbeit sowie Ferien unterscheiden sich nicht von jenen der anderen Angestellten im Betrieb. Ebenso gelten die Einhaltung der Schweigepflicht und Dokumentationspflicht. Hierzu werden die pflegenden Angehörigen in den Standardprozess von Qualis Vita eingeführt und gemäss den geltenden Sicherheits- und Qualitätsnormen instruiert.  

Um die von den Angehörigen ausgeführten Pflegeleistungen zu ermitteln, übernimmt die diplomierte Pflegefachfrau als fallführende und weisungsberechtigte Instanz die Bedarfsabklärung vor Ort. Hier wird nicht nur definiert welche Leistungen, wann, durch wen und wie sie ausgeführt werden, sondern es werden auch allfällige Rollenkonflikte oder mögliche emotionale Überlastungstendenzen eruiert. Daraus ergibt sich eine pflegezielorientierte Massnahmenplanung mittels RAI-HC-Leistungskatalog und einen Arbeitsplan für die angehörige Person, der je nachdem mit geteilten Einsätzen durch die Spitex vervollständigt wird. Die fortführende Begleitung durch die Pflegefachkraft von Qualis Vita ist dazu da, die häusliche Versorgungssituation stabil zu halten, Komplikationen frühzeitig zu erkennen und Notfalleintritte beispielsweise wegen Dekubiti, Pneumonien, Mundschleimhautinfekten, Harnwegsinfekten oder Delir zu verhindern. Dazu ist eine vorausschauende und engmaschige Zusammenarbeit mit den pflegenden Angehörigen sehr wichtig.  

Neben professionellem Know-how ist für eine geglückte Angehörigenpflege eine stabile emotionale Beziehung zentral, sowohl zwischen den Angehörigen zur pflegebedürftigen Person als auch zum involvierten Spitex-Team. Dann sind die pflegebedürftigen Menschen die Nutzniesser einer gelingenden Arbeitsteilung und erhalten so einen Teil ihrer Lebensqualität zurück. 

„Als Angestellte einer Spitex-Organisation erhalte ich für meine ausgeführte Pflegearbeit einen Lohn. Dadurch profitiere ich von der Begleitung durch Pflegefachpersonen und von finanzieller Entlastung. Die tägliche Dokumentation kurzer Pflegeberichte hilft mir dabei, meine pflegerischen Tätigkeiten zu überdenken, zu begründen und anzupassen. Ich fühle nicht nur, dass ich etwas Gutes tue, sondern auch, dass meine Arbeit in der Gesellschaft anerkannt und geschätzt wird. Mein Mann darf nach mehreren Spitalaufenthalten einen kleinen Traum leben, zu Hause in seiner gewohnten Umgebung entspannt gepflegt und betreut zu werden.“ 

Lea Sutter, pflegende Angehörige von Qualis Vita  

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