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15. October 2018

Pflegende Angehörige: Hilfe und Unterstützung

Wenn eine Person im Alter pflegebedürftig wird, stellt das den Alltag auf den Kopf – und zwar sowohl von Betroffenen als auch von Angehörigen: In der Schweiz pflegen zehntausende von Frauen und Männern Familienmitglieder. Sie tun es aus Liebe, aus Dankbarkeit oder aus Pflichtbewusstsein. Und oftmals so lange, bis sie selber krank werden. Wir zeigen Entlastungsmöglichkeiten auf.

Auf Grund der immer höheren Lebenserwartung und dem zunehmenden Fortschritt der Medizin werden Menschen immer älter. Und trotz Pflegebedarf möchten Senioren so lange wie möglich Zuhause leben. Das beeinflusst die Pflegeverhältnisse: Wenn das Geld für eine professionelle ambulante Pflege fehlt, übernehmen meist Angehörige Pflegedienstleistungen.

Laut dem SwissAgeCare Forschungsprojekt von 2010 setzen sich pflegende Angehörigeaus zwei Drittel Frauen und einem Drittel Männer aus unterschiedlichen Verwandtschaftsverhältnissen zusammen.

Gemäss SwissAgeCare-Studie wenden Deutschschweizer Angehörige wöchentlich bis zu 60 Stunden an Betreuung und Pflege in verschiedenen Bereichen auf.

Folgen einer Überbelastung – Brauche ich Hilfe?

So sinnstiftend und befriedigend die Pflege von Angehörigen sein kann, so schnell kann sie zur Belastung werden. Zu den grössten Stressquellen gehören die grosse Verantwortung, die chronische Besorgnis und die soziale Isolation. Vor allem Ehefrauen und Töchter pflegen ihre Angehörigen oft über die Belastungsgrenzen hinaus. Die Folgen sind gemäss SwissAgeCare Forschungsprojekt gravierend:

  • Pflegende Angehörige haben öfters Rückenschmerzen, Osteoporose, Herz- und Muskelkrankheiten sowie degenerative
  • Veränderungen des Bewegungsapparates.
  • Sie leiden unter allgemeiner Erschöpfung.
  • Sie konsumieren massiv mehr Medikamente wie Schlaf-, Beruhigungsmittel- und Schmerzmittel.
  • Die Mortalitätsrate von pflegenden Angehörigen steigt um 63% in den nächsten vier Jahren im Vergleich zu Personen, die niemanden pflegen.

Bewältigungsstrategien von pflegenden Angehörigen

Wie gehen die Betroffenen mit dem Stress um? Was tun sie, wenn sie an ihre Grenzen stossen? In der SwissAgeCare-Studie haben pflegende Angehörige folgende Bewältigungsstrategien angegeben:

Beispiele von Copingstrategien

Strategisches Problemlöseverhalten

  • Ich organisiere mir eine „Auszeit“ sei es ein Wochenende oder Ferien nur mit meinem Partner.
  • Veranlasse den Heimeintritt der Schwiegermutter

Suche nach Hilfe

  • Nachbarn um Hilfe fragen
  • Dritte konsultieren

Soziale Unterstützung privat

  • Kontakte mit Sohn und Tochter pflegen
  • Ich telefoniere mit einer Freundin

Zulassen von Gefühlen

  • Bei Wut, werde ich manchmal heftig für einen kurzen Moment
  • Weinen, hadern, fluchen

Selbstkontrollversuche

  • Meditation
  • Gehe spazieren
  • Früh ins Bett gehen

Defensive Manöver

  • Schlafen
  • Ein Beruhigungsmittel nehmen

Abwehr

  • Daran denke ich gar nicht
  • Ablenken durch fernsehen
  • Keine Telefone mehr beantworten

Konfrontation mit Realität und Verantwortlichkeit

  • Schaue, wo das Problem liegt, versuche es zu lösen
  • Situation analysieren und Lösungen suchen

Selbstreflexion

  • In sich kehren
  • „Stress macht man sich selbst“

Selbstmotivation

  • Auf die Liebe, Dankbarkeit der Pflegebedürftigen konzentrieren

Religion und Schicksal

  • Beten um Kraft
  • Der Glaube hilft ganz fest

Heilungskraft der Zeit

  • Den nächsten Tag abwarten

Überwältigt werden von Emotionen

  • Wurde ängstlich und nervös, weiss mir nicht zu helfen

Unterstützung für pflegende Angehörige

Fazit: Einen Angehörigen zu pflegen kann schnell zu einer grossen psychischen und physischen Belastung werden. Bewältigungsstrategien gibt es viele; wirkliche Entlastungsangebote nur wenige.

Zu den gängigen Entlastungs-Angeboten gehören

  • Informative Unterstützung
  • Alltagspraktische Unterstützung wie Wohnungsanpassungen oder finanzielle Unterstützung
  • Psychologische und soziale Unterstützung wie Angehörigengruppen oder Beratungsstellen
  • Gesundheitsfördernde Massnahmen wie Anleitungen zu rückenschonendem Arbeiten oder Coping-Strategien

Eine weitere Entlastungsmöglichkeit ist die ambulante Pflege zu Hause durch die Spitex. Die bei der SwissAgeCare-Studien befragten pflegenden Angehörigen zeigten eine sehr hohe Zufriedenheitsrate mit der Spitex auf: Die regelmässigen Besuche von Gesundheitsfachfrauen und -fachmännern dienen nicht nur der Entlastung, sondern sorgen auch für soziale Interaktion und eine Abwechslung im Alltag. Die Unterstützung einer Spitex beschränkt sich nicht nur auf Dienstleistungen, sondern umfasst auch Anleitungen, Instruktionen und Tipps für einen möglichst reibungslosen Alltag. Zudem können Spitex-Angestellte bei schwierigen Entwicklungen als unabhängige Schlichtstelle agieren.

Kurzum: Während sich viele Entlastungs-Angebote für pflegende Angehörige nur auf einzelne, allgemeine Bereiche konzentrieren, bietet die Spitex eine allumfassend, individuelle Unterstützung.

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